Liebe Horster Schachfamilie,
leider muss ich Euch den Verlust eines langjährigen Schachfreundes mitteilen.
Am 25. Juni 2026 verstarb unser Mitglied Dr. Karl-Adolf Höwel.
Karl-Adolf trat am 1. November 1961 dem Horster Verein bei und hielt ihm bis zum Schluss die Treue, obwohl er später berufsmäßig in den Süden zog und zunächst bei Bayern München und schließlich beim SK Nürnberg 1911 seine schachliche Karriere fortsetzte.
Dr. Höwel, der unter seinen Freunden nur „der Doc“ genannt wurde mischte in den 60er und 70er Jahren die Horster Schachwelt ganz schön auf. Sein Name taucht in der Galerie der Vereinsmeister, Horster Meister und Vereins-Blitzmeister mehrmals auf. Zusammen mit Helmut Schorra, Udo Hobuß und etwas später noch Maxim Polovina bestimmte er das schachgeschehen in unserm Verein eine lange Zeit.
Auch im Bezirk und Verband war seine analytische Schachkenntnis sehr gefragt. Adolf war ein genialer Stratege am Schachbrett, was ihm auch den Titel eines Bezirksmeisters einbrachte. Mit ihm gelang der ersten Mannschaft der Aufstieg in die Regionalliga und kurze Zeit später fast der Sprung in die NRW-Liga. Nur ein halber Brettpunkt fehlte der legendären Regionalliga-Truppe damals, das war 1978.
Auch international war Dr. Höwel sehr erfolgreich. Über 10 Jahre hinweg reiste er mit vielen anderen Horster Schachfreunden zum Internationalen Turnier nach Hastings, England. Hier heimste er viele Preisgelder ein. Machte sich allerdings auch einen Namen als „Bad Hattrick Dollus“. Da es ihm einmal gelang, in einem 9-Runden Turnier zweimal einen „Bad Hattrick“ hinzulegen. Andere nennen es auch die große Rochade, eben 0-0-0.

Wobei die Bezeichnung Dollus früher scherzhaft für einen ausgelassenen, leicht verrückten Studenten benutzt wurde. Sein Studien- und Schachfreund Benno Naujoks hatte ihm den Spitznamen verpasst. Was wohl nicht von ungefähr gekommen sein mag.
Adolf war allseits beliebt und hoch angesehen. Zwar waren ihm Feierlichkeiten und Ehrungen nicht so angenehm, aber im angeschlossenen Vereins-Kegelverein schob er schon ganz gern die ein oder andere Kugel über die Bahn.
Der „Doc“ war ein Dokter der Mathematik und auf diesem Gebiet auch eine echte Glanznummer. Seine Doktorarbeit trägt den Titel: „Iteration von Funktionalen transfiniter Typen.“ Darf gerne mal gegoogelt werden 😉 Er war Mitglied der Münsteraner Schule, die in den 70er Jahren zu den führenden Zentren für mathematische Logik gehörte.
Natürlich sind im Horster Schachverein von heute nicht mehr viele Schachfreunde, die ihn noch persönlich kannten, doch bleibt sein Name ewig mit dem Verein verbunden.
Wir nehmen also Abschied von einem Horster Schachkind, das bei uns groß geworden ist und dann als Erwachsener und später als alter Herr ein bisschen von unserem Verein in die Welt getragen hat.
Karl-Adolf wird im engsten Familienkreis im Rahmen einer Flussbestattung beigesetzt.
Wie gesagt, auf Feierlichkeiten stand er nicht, schon gar nicht auf Trauerfeiern und auf seine eigene erst recht nicht. Ich bin gerührt und geehrt mich zu seinen engsten Freunden zählen zu dürfen.
Toby Tobczewski

